@phdthesis{BalkeMelcher2015, author = {Christina Dorothea Balke-Melcher}, title = {Lernschwierigkeiten: Verlauf, Pr{\"a}valenz und Intervention im Vor- und Grundschulalter}, url = {https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:hil2-opus4-3150}, year = {2015}, abstract = {Die entwicklungspsychologische und p{\"a}dagogisch psychologische Forschung befasst sich seit langem mit der Erforschung von Lernschwierigkeiten, ihnen vorausgehenden Schw{\"a}chen im Kindergartenalter und mit ihnen auftretenden kognitiven Defiziten. Der hier aufbereitete aktuelle Stand der Forschung und die aufgeworfenen Fragestellungen zielen in ihrer Konsequenz alle darauf ab Lernschwierigkeiten besser zu verstehen: in ihrem Entwicklungsprozess, in ihrer Vorkommensh{\"a}ufigkeit und Relevanz und letztlich in ihrer Beeinflussbarkeit durch Interventionsma{\"s}nahmen. Dabei besteht das dar{\"u}ber hinaus gehende Anliegen darin, in Zukunft eine bessere Fr{\"u}herkennung und Unterst{\"u}tzung f{\"u}r Kinder mit Lernschwierigkeiten bereitstellen zu k{\"o}nnen. Zu Beginn der vorliegenden Arbeit geht es zun{\"a}chst um die Entwicklung spezifischer und unspezifischer Vorl{\"a}uferfertigkeiten von Risikokindern f{\"u}r sp{\"a}tere Lernschwierigkeiten. In Studie 1 wurden l{\"a}ngsschnittlich Gruppen von Kindern untersucht, die mit 4;6 Jahren abgrenzbare Vorl{\"a}uferschw{\"a}chen im phonologischen, numerischen und/oder kombiniert in beiden Bereichen hatten. Dabei wurde zun{\"a}chst die Entwicklung der spezifischen Vorl{\"a}uferfertigkeiten im Gruppenvergleich gepr{\"u}ft, und dann die Gruppen hinsichtlich ihrer unspezifischen kognitiven Vorl{\"a}ufer Arbeitsged{\"a}chtnis und Langzeitged{\"a}chtnisabruf verglichen. Die Ergebnisse zeigten, dass schon Kindergartenkinder mit schwachen Vorl{\"a}uferfertigkeiten ihre Schw{\"a}chen bis zum Alter von 6;0 Jahren nicht aufholen konnten. Die phonologisch schwachen Kinder wiesen Schw{\"a}chen im phonologischen Arbeitsged{\"a}chtnis auf, die numerisch schwachen Kinder im visuell-r{\"a}umlichen Arbeitsged{\"a}chtnis, in der zentralen Exekutive und im Langzeitged{\"a}chtniszugriff. Kinder mit kombinierten Schw{\"a}chen zeigten in allen Be-reichen die st{\"a}rksten Beeintr{\"a}chtigungen. Hier zeigen sich deutliche Parallelen zwischen kognitiven Defiziten von Kindern mit Vorl{\"a}uferschw{\"a}chen und solchen mit umschriebenen Lernst{\"o}rungen. Die Ergebnisse werden bez{\"u}glich ihrer Bedeutung f{\"u}r fr{\"u}he Diagnostik und Intervention diskutiert. Epidemiologische Studien {\"u}ber Lernst{\"o}rungen variieren stark in ihren Angaben {\"u}ber die Vorkommensh{\"a}ufigkeit. Begr{\"u}nden l{\"a}sst sich dies mit den sehr unterschiedlichen angesetzten Diagnosekriterien und unterschiedlichen Definitionen der Begriffe Lernst{\"o}rung und -schw{\"a}che. Studie 2 untersucht aus diesem Grund die Pr{\"a}valenzraten von Lernschw{\"a}chen und Lernst{\"o}rungen und hierbei auftretende Geschlechtsunterschiede in der Mitte der Grundschulzeit anhand einer gro{\"s}en deutschen Stichprobe (N = 2195) nach unterschiedlichen Kriterien. Bei einem Drittel (32.8\%) aller Kinder fanden sich unterdurchschnittliche Leistungen (T<40) in mindestens einem Leistungsbereich, davon zeigten 23.3\% die Lernschw{\"a}che trotz durchschnittlicher Intelligenz (IQ ≥ 85). Wurde zus{\"a}tzlich das zweite IQ-Diskrepanzkriterium nach ICD-10 (1.2 Standardabweichungen) angesetzt, so erf{\"u}llten allerdings nur 13.3\% aller Kinder die Kriterien einer Lernst{\"o}rung. Die Autretensh{\"a}ufigkeiten der isolierten und kombinierten Lernschwierigkeiten lagen ohne das IQ-Diskrepanzkriterium zwischen 4 und 6 \% und mit Lernst{\"o}rungsdiagnose zwischen 2 und 4 \%. Von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten sind h{\"a}ufiger Jungen betroffen, von Rechenschwierigkeiten deutlich mehr M{\"a}dchen. Der Einfluss der alleinigen Ber{\"u}cksichtigung der diagnosespezifisch relevanten Leistungen f{\"u}hrte in der vorliegenden Studie zu einer Verdoppelung der Pr{\"a}valenzraten. Diese Befunde werden in ihrer Bedeutung f{\"u}r die Diagnosekriterien nach ICD-10 und der praktischen Implikationen f{\"u}r eine umfassende Schulleistungsdiagnostik diskutiert. Vor dem Hintergrund epidemiologischer Studien zu Persistenz und Folgen von Lernschwierigkeiten und –st{\"o}rungen wird der Stellenwert professioneller F{\"o}rderung und Unterst{\"u}tzung deutlich. Im Rahmen des Wandels von Separation zu Inklusion im Schulsystem wird der F{\"o}rderauftrag zunehmend direkt an die Schulen {\"u}bertragen. Studie 3 untersucht die Wirksamkeit einer innerschulischen lerntherapeutischen F{\"o}rderma{\"s}nahme (LeFiS) bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, welche sich am response-to-intervention-Modells (RTI) orientiert. 97 Kinder mit isolierten Lese- und/oder Rechtschreibschwierigkeiten wurden w{\"a}hrend des dritten und vierten Schuljahres von professionellen Lerntherapeuten an zwei Schulstunden pro Woche in Kleingruppen gef{\"o}rdert. Es zeigte sich, dass die gef{\"o}rderten Kinder besonders im Schreiben Vorteile gegen{\"u}ber der Kontrollgruppe hatten. Am deutlichsten fiel dieses Ergebnis f{\"u}r Kinder mit kombinierten Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben aus. Kindern mit Lernst{\"o}rung (gem{\"a}{\"s} ICD-10) und Lernschw{\"a}che unterschieden sich in ihrem Therapieerfolg. Im Lesen konnten keine deutlichen Einfl{\"u}sse der F{\"o}rderung festgestellt werden. Die Ergebnisse werden in ihrer Bedeutung f{\"u}r zuk{\"u}nftige inner-schulische pr{\"a}ventiv orientierte F{\"o}rderma{\"s}nahmen dargestellt. Die Kapitel zum aktuellen Stand der Forschung, sowie die vorgestellten Studien werden hinsichtlich ihres wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns, ihrer Anregungen f{\"u}r weitere Forschungsvorhaben und ihrer Implikation f{\"u}r die Praxis in Kapitel 5 diskutiert. Sie bereichern die aktuelle Diskussion um Fr{\"u}hdiagnostik, Relevanz von Lernschwierigkeiten und –st{\"o}rungen und die Umsetzung schulinterner F{\"o}rderma{\"s}nahmen.}, language = {de} }