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Die organisationspädagogische Wende in der Erziehungswissenschaft

  • Die Absicht einer älteren Generation, die jeweils jüngere Generation durch Erziehung zu führen und anzuleiten, um sie tüchtig zu machen für ein Leben in der gegenwärtigen Welt und sie vorzubereiten auf das Leben in einer zukünftigen Welt, mündete bis ins 17. Jahrhundert in dem steten Bestreben von Theologen, Erziehung und Unterrichtung zu optimieren. Die sodann im 17. und 18. Jahrhundert aufkommenden Disziplinen Didaktik und Pädagogik gelten als Oberbegriff für die Reflexion der Faktizität (Was ist?) und Klärung der Normativität (Was sollen erstrebenswerte Ziele sein?). Dabei hat sich im deutschsprachigen Raum - gerahmt durch eine geisteswissenschaftlich-hermeneutische Dominanz - eine gewisse Dichotomie herausgebildet, die individuelle Seite erzieherischen Handelns zu überhöhen (Das pädagogische Verhältnis zum Kinde), andererseits die gesellschaftliche Seite zu kritisieren (Institutionenkritik und Imperfektheit der Verhältnisse). Der Verfasser beklagt einen gewissen anti-organisationalen Reflex in der Pädagogik, durch die Engführung auf die pädagogische Grundfigur „Ich mache guten Unterricht“ bedeutsame Fragen der optimalen Lernorganisation ‚im weiteren Sinne‘ auszublenden (z.B. „Wie lernt ein ganzes Kollegium gute Schule zu machen?“; „Welchen Beitrag liefert eine pädagogische Einrichtung für eine Bildungsregion?“, „Wie lassen sich Bildungsbiographien lebenslang optimal fördern?“, „Wie werden Jugendliche auf das Denken und Handeln in einer globalisierten Netzwerkgesellschaft vorbereitet?“). Selbst die seit den 70 Jahren des letzten Jahrhunderts aufkommenden Stimuli zur ‚Lernenden Organisation - vor allem getrieben durch die (Industrie-) Soziologie, Sozial- und Wirtschaftspsychologie und den Arbeits- und Organisationswissenschaften - wurden in der Pädagogik im deutschsprachigen Raum bis Ende der 90er Jahre sozusagen ausgebürgert. In dieser Arbeit werden für den Zeitraum 1995 – 2010 anhand einer umfassenden Literaturrecherche vielfältige theoretische, methodische und institutionelle Einflüsse als organisationspädagogische Wende in der Erziehungswissenschaft rekonstruiert, die im Ergebnis zur Etablierung einer neuen Teildisziplin Organisationspädagogik in der Erziehungswissenschaft und zur Ausbildung eines entsprechenden Berufsbildes Organisationspädagoge/-pädagogin geführt haben. Dabei wird mit dem Ziel, die erwähnte Dichotomie von individueller und gesellschaftlicher Seite zu überwinden, die organisationale Seite von Bildung und Erziehung eingeführt: Bildungstheoretisch wird von der „Bildsamkeit und Lernfähigkeit von Organisationen“ ausgegangen, die – so die didaktische Konsequenz – ihre Kommunikationsmuster im Blick auf die oben erwähnte Erweiterung des Lernverständnisses ausrichten müsse: Lebenslanges Lernen, auch außerhalb von pädagogischen Einrichtungen!

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Metadaten
Author:Herbert Asselmeyer
URN:https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:hil2-opus4-10707
DOI:https://doi.org/10.25528/032
Referee:Michael Göhlich
Advisor:Stephan Wolff, Harald Geißler
Document Type:Habilitation
Language:German
Year of Completion:2020
Granting Institution:Universität Hildesheim, Fachbereich I
Date of final exam:2013/10/14
Release Date:2020/04/16
Tag:Disziplin; Erziehungswissenschaft; Lernende Organisation; Organisationspädagogik; Pädagogik
Pagenumber:167
Institutes:Fachbereich I
DDC classes:300 Sozialwissenschaften / 300 Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie / 300 Sozialwissenschaften
300 Sozialwissenschaften / 370 Erziehung, Schul- und Bildungswesen / 370 Bildung und Erziehung
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